Eine gute Platzierung ist umso mehr wert, wenn sie auf Leistung zurückzuführen ist statt auf Glück. In der Formula Student ist keine Saison so wie die andere, da der Wettbewerb selbst sich ständig wandelt. Ein Gesamtkonzept, das vor zwei Jahren noch Top Ten Platzierungen einbrachte würde heute nicht mehr überzeugen. Natürlich wird auch das Reglement immer wieder angepasst, aber generell ist der Anstieg des Niveaus überall zu spüren. Um Schritt zu halten, wird immer weiter an der Gewichtsschraube gedreht, Konzepte komplett überarbeitet und ständig nach neuen noch besseren Fertigungstechniken gesucht.

Konstruktions- und Entwicklungsphase

Wir stiegen in die Saison 2015 mit einem früh abgeschlossenen Recruiting ein. Ausgewählte Neulinge konnten ihre ersten Eventerfahrungen bereits 2014 am Red Bull Ring sammeln. Dementsprechend hoch war die Motivation für Entwicklungs- und Konstruktionsphase. Eine der größten Konzeptänderungen war beim Monocoque zu verzeichnen. Hatten wir 2014 noch auf ein Hybrid Konzept mit Heckrahmen gesetzt, entschieden wir uns 2015 für ein Voll CFK Monocoque. Die fehlende Fügestelle führt hier unter anderem zur Gewichtsreduktion und wir konnten höhere Torsionssteifigkeit erreichen. Außerdem erforderte das neue Reglement starke Veränderungen am Front- und Heckflügel.

Dadurch, dass der Heckflügel in der Breite zwischen den Reifen liegen musste, wurde dieser deutlich kleiner und auch am Frontflügel musste der Reifenbereich zumindest ausgespart werden. Durch diese Änderung wurde eine komplette Überarbeitung des Aerodynamik Konzepts erforderlich. Ein weiterer wichtiger Schritt war der Wechsel von Pull Rods auf Push Rods, also oben liegenden Dämpfern. Das war eine Reaktion auf Überarbeitungen im Fahrwerksbereich und führte letztlich ebenso zu mehr Torsionssteifigkeit.

Anfang 2015 registrierten wir uns wie üblich für die Events. Da dies keine reine Formsache ist, sondern mit Schnelligkeit und detailliertem Wissen über die verschiedenen Reglements verbunden ist, war die Vorbereitung hierfür entscheidend. Bereits Monate vorher hatten wir das Reglement studiert und bei wöchentlichen Treffen immer wieder Quizszenarien durchgespielt, damit wir selbst über unseren Saisonplan bestimmen konnten. Mit Silverstone, Hockenheim und Varano waren wir als Ziele sehr zufrieden. 

Die Fertigungsphase war durchweg geprägt vom Ziel der Gewichtsreduktion. Dieses Ziel wurde auch in jeder Baugruppe erfolgreich umgesetzt. Bei Crashbox und Monocoque konnten wir insgesamt 4,9kg einsparen, im Bereich Motor und Antriebsstrang 2,83kg und sogar beim Kabelbaum haben wir das Gewicht um 4kg reduzieren können, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Rollout

Auf dem Rollout des PX215 wollten wir Ihnen, unseren Sponsoren, und allen die uns die Daumen drücken und unterstützen zeigen, wieviel Leidenschaft, Detailversessenheit und Herzblut in unserem Boliden steckt. Während der einstündigen moderierten Präsentation im L-Gebäude der Universität, die man zusätzlich live im Internet verfolgen konnte, wurde einiges abgedeckt und gleichzeitig für viel Abwechslung und Unterhaltung gesorgt. Für die Technikaffinen unter den Gästen gab es ein Interview mit jedem technischen Leiter, wobei wir uns gleichzeitig bemühten, die Zusammenhänge für jeden greifbar zu erklären.

Ebenso interessant war der Vortrag von Prof. Dr. Tröster über die Wichtigkeit und Umsetzung von Leichtbau. Es wurden Auszeichnungen vergeben und durch die Eventvideos bekam jeder einen Eindruck von den Dimensionen eines Formula Student Events, ein Gefühl für die nötige Professionalität und sicher auch ein bisschen Gänsehaut.

Rennevents

Anfang Juli stand unser erstes Event in Silverstone an. Hier zeigten sich zugegebenermaßen noch einige Kinderkrankheiten am PX215, die uns die Bedeutsamkeit des Testens erneut vor Augen führten. Durch Verzögerungen in der Fertigungsphase konnten wir vor Silverstone nicht alles abtesten wie geplant, weshalb sich das Scrutineering (technische Abnahme) in Silverstone hinauszögerte. Später im Endurance stoppte uns ein Dreher im starken Regen, in dessen Folge die Lenkstange brach. Mit unserem Platz 47 waren wir nicht zufrieden. Wieder in Paderborn stand dementsprechend einiges auf unserer Agenda, um dem Lerneffekt möglichst viel abgewinnen zu können.

Ende Juli in Hockenheim hatte unser PX215 schon wesentlich mehr Testkilometer auf dem Buckel. Im Scrutineering machten sich die Fortschritte direkt bemerkbar, denn während 2/3 der Teams hier wirklich zu kämpfen hatten, gehörten wir zu den ersten Teams, die alle Sticker erhielten. Zudem waren die vielen neuen Teammitglieder schon viel routinierter und vertraut mit den Eventabläufen. In punkto Zuverlässigkeit konnten wir stark zulegen und beendeten auch die Königsdisziplin Endurance, was ansonsten nur 26 andere Rennwagen zustande bringen konnten. Bei der Formula Student Germany treten traditionell die besten 20 Spitzenteams aus aller Welt an und die Konkurrenz ist generell stärker als bei jedem anderen Event. Daher konnten wir mit Platz 32 in Relation schon wesentlich zufriedener sein, obgleich solide Ergebnisse auf Dauer natürlich nicht das Ziel sein können.

Relativ spät in unserem Rennkalender stand Italien auf dem Plan. Mitte September machten wir uns auf, uns noch einmal in Varano zu messen und hatten uns dafür einiges vorgenommen. Zuletzt waren wir 2009 dort gewesen, weshalb keiner von uns wirklich wusste, was uns dort erwarten würde. Das Scrutineering war für uns ein Spaziergang und das war nur der Anfang. Wir waren konkurrenzfähig unterwegs und konnten einige Top Ten Platzierungen erzielen. Unter vielen Highlights war der zweite Platz im Acceleration mit sagenhaften 3,9s sicher das Größte.

Ebenso fantastisch war der fünfte Platz beim Design Report, wo wir unsere Entwicklungs- und Fertigungsentscheidungen vor den Judges von Ferrari und Maserati verteidigen mussten. In der Gesamtwertung erreichten wir Platz 11 und nahmen eine große Portion Motivation für die Saison PX216 mit.

Fazit

Insgesamt hat nicht nur unser Rennwagen sondern auch das Team PX215 eine ganz schöne Entwicklung durchlebt. Wir alle sind an der Aufgabe Formula Student gewachsen und die Leistungssteigerung über die Saison zeigt unseren Lerneffekt deutlich auf.

Wir danken all unseren Sponsoren, die uns mit Know How, Fertigungskapazitäten und finanziellen Mitteln zur Seite standen und somit einen äußerst wichtigen Anteil am PX215 haben. Dank Ihnen dürfen wir täglich Praxiserfahrung in einem Projekt sammeln, bei dem wir mit Leidenschaft dabei sind. Wir gehen voller Elan in die Saison PX216!